Auf dem Weg zu 500 Jahren Confessio Augustana. Papst Leo XIV. und der Lutherische Weltbund

Unsere Welt gleicht in diesen Tagen oft einem See im Sturm… Es sieht nicht gut aus:  Kriege (äußere und innere), das Böse, das jeden zu verschlingen sucht, Säkularisierung, eine zersplitterte Pluralität, der Schrei der bedrohten Schöpfung und die Krise der Schöpfung, Spaltungen, Christenverfolgung … und die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Doch in all der Dunkelheit der supralunaren und sublunaren Welt erstrahlt das Licht: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.“ (Johannes 1, 5). Der Dichter Friedrich Hölderlin hat es einst so gesagt: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ ( Hymne „Patmos“; „Nahe ist / Und schwer zu fassen der Gott. / Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch.“)

Der rote Faden der Bibel ist Versöhnung und Einheit. Christus selbst hat in der Nacht vor seinem Leiden darum gebetet: „Auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.“ (Johannes 17,21). Darum beten auch wir, in der Gebetswoche für die Einheit der Christen und bei vielen anderen Gelegenheiten. Und doch beten wir zu wenig …

Aber gestern, am Donnerstag, dem 1. Oktober, siehe da: Papst Leo XIV. hat ein Delegationsteam des Lutherischen Weltbunds (LWB) im Vatikan empfangen. Mit dabei war auch Kristina Kühnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der lutherischen Nordkirche. Der Papst sprach sich de facto für ein gemeinsames ökumenisches Gedenken an das Augsburger Bekenntnis im Jahr 2030 aus.

Er beschrieb den Weg der Kirchen als Bewegung vom Konflikt hin zur Gemeinschaft, auf der es besondere Wegmarken gibt. Das Jahr 2030 mit dem 500. Jahrestag des Bekenntnisses könne ein solches Meilenstein werden: eine gute gemeinsame Erfahrung, die neuen Schwung für das Ziel der vollen und sichtbaren Einheit bringt. Das Jubiläum soll am historischen Ort in Augsburg begangen werden, ausdrücklich auch mit ökumenischer Beteiligung.

Papst Leo sagte und ich zitiere: „Als die ‚Confessio Augustana’ am 25. Juni 1530 in Augsburg verlesen wurde, war die Einheit der westlichen Kirche zwar gefährdet, aber noch nicht zerbrochen. Die Verfasser der ‚Confessio Augustana’ hatten – wie mein Vorgänger, der heilige Johannes Paul II., sagte – ‚die Absicht, ihr Bekenntnis zu einer heiligen, katholischen und apostolischen Kirche zu bezeugen’. Die Confessio Augustana war ursprünglich als Dokument der Versöhnung innerhalb der Kirche gedacht. Erst später wurde sie schließlich als spaltender Bekenntnistext verstanden.“

Weiter sagte er, ich fasse zusammen: Für 2030 wünscht er sich, dass man gemeinsam das „vorkonfessionelle ökumenische Potenzial“ der Confessio Augustana erneut bekräftigt. Alle Gläubigen und besonders die Theologen ruft er auf, sich auf Christus und sein Evangelium auszurichten. Sie sollen zu den gemeinsamen Wurzeln zurückkehren, zum Glauben der Urkirche und zu den Kirchenvätern. Dort lasse sich das apostolische Erbe wiederentdecken, das Katholiken und Lutheraner als Geschwister in Christus verbindet. (Klingt das nicht bekannt, oder!??)

Leo würdigte außerdem die bisher erreichten Konsensustexte. Besonders die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ (1999) nannte er einen Meilenstein. Mit Papst Franziskus betonte er  „Ökumene sei keine kirchliche Diplomatie“ sondern „ein Weg der Gnade“. Das Ziel bleibe eine erneuerte Gemeinschaft im apostolischen Glauben, in den Sakramenten und in den Ämtern.

An dieser Stelle ( als Fußnote) möchte ich auch auf das Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ hinweisen. Die Lutherisch/Römisch-katholische Kommission für die Einheit hat es 2013 im Blick auf das Reformationsgedenken 2017 veröffentlicht. Erstmals erzählen Katholiken und Lutheraner darin die Geschichte der Reformation gemeinsam. Sie benennen ehrlich die Verletzungen, die sie einander zugefügt haben, und stellen das Verbindende über das Trennende.

Also…

Was bleibt uns? Das Zeitalter wirkt finster, ja… aber: Wo Versöhnung gewagt wird, da bricht das Licht durch die Wolken der Welt. Und vielleicht würde ich noch den alten Grundsatz des lutherischen Theologen Rupertus Meldenius hinzufügen der in summa mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges sagte: „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas“ =  im Notwendigen Einheit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem Liebe!

Beten wir weiter!!! Und beten wir mehr!!

P.S.  Den vollständigen Artikel von Vatican News kann man hier nachlesen, auch als Audiodatei:  

https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-10/augsburger-bekenntnis-lutherischer-weltbund-papst-leo-xiv-lwb.html


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