
Morgen (24. Juni) feiern wir den Tag der Geburt Johannes des Täufers. Der Tagesspruch dazu: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ – Johannes 3, 30
Johannes hat mit gewaltigen Predigten zur Buße gerufen, und seine Taufe war ein Zeichen der Umkehr. Doch bei aller Wirkung, die von ihm ausging, hat er niemals sich selbst verkündigt. Er war der Wegbereiter, der mit ausgestrecktem Finger über sich hinaus auf einen Größeren zeigte. Sein Ruhm sollte verblassen damit der Glanz Christi umso heller leuchten konnte.
Darin liegt eine stille Größe, die unserer Zeit fremd geworden ist. Wir möchten selbst wachsen, gesehen werden, an Bedeutung gewinnen. Ich merke, wie dieses „Sich-selbst-Behaupten“ wächst … fast wie eine Krankheit, eine Seuche, die um sich greift. Man wählt diplomatische Worte, um den anderen auf Abstand zu halten. Man findet Entschuldigungen, um ihm nicht begegnen zu müssen, sucht Wege, sich über ihn zu erheben. Man verdreht die Augen oder wechselt die Richtung, wenn das Gegenüber spricht. Oder man begegnet ihm einfach mit Gleichgültigkeit und Vernachlässigung. In all dem will das „eigene Ich“ groß sein … auf Kosten des anderen. Johannes aber zeigt uns den umgekehrten Weg: Wahre Größe besteht darin, kleiner zu werden, damit Christus in uns Raum gewinnt.
Und genau dorthin ruft uns der Herr selbst: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15). Buße heißt nichts anderes als dieses Abnehmen unseres eigenen Ichs, damit Christus wachsen kann.
