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Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie sich Leere anfühlt? Nicht bloß Langeweile.Nicht nur „Ich weiß nicht, was ich tun soll“.Sondern diese andere Leere.Die, die im Brustkorb sitzt.Die, die den Atem schwer macht.Die, die sogar das Beten erschöpft.

Der Prophet Jeremia spricht von einer Zeit, in der die Erde rissig wird. Er spricht von der „großen Dürre“. Aber er meint nicht nur fehlenden Regen. Er meint das Verstummen der Seele. Das Austrocknen des Herzens. Den Moment, in dem der Mensch sich selbst nicht mehr erreicht. Im Buch des Propheten Jeremia, im 14. Kapitel lesen wir:

1 Dies ist das Wort ,

das der Herr zu Jeremia sagte über die große Dürre:

3 Die Grossen schicken ihre Diener nach Wasser ;

aber wenn sie zum Brunnen kommen,

finden sie kein Wasser

und bringen ihre Gefäße leer zurück.

Sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter.

4 Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land.

Darum sind die Ackerleute traurig

und verhüllen ihre Häupter. ¶

7 Ach, Herr , wenn unsre Sünden uns verklagen,

so hilf doch um deines Namens willen !

Denn unser Ungehorsam ist groß,

womit wir wider dich gesündigt haben.

8 Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer.

Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande

und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt ?

9 Warum bist du wie einer, der verzagt ist,

und wie ein Held, der nicht helfen kann ?

Du bist ja doch unter uns, Herr,

und wir heißen nach deinem Namen ; verlass uns nicht ! ¶

(Jeremia 14, 1. 3-4. 7-9)

Die Menschen kommen zum Brunnen und finden: nichts. Gefäße leer. Hände leer. Hoffnung leer.

Und vielleicht kennen wir genau das. Wir gehen an unsere Brunnen… Wir greifen nach Worten. Nach Ablenkung. Nach Trost. Quasi nach irgendeiner Form von Sinn.

Aber manchmal kommt nichts zurück. Nur dieses dumpfe Gefühl: leer.

Wir begegnen dieser Dürre jeden Tag.

1.) Da ist Frau Schulz. 83 Jahre.

Sie sitzt in ihrer Küche. Ihr Mann ist vor drei Jahren gestorben. Die Kinder leben weit weg. Sie telefonieren pflichtbewusst jeden Sonntag. Aber heute ist Mittwoch. Und Mittwoch ist ein stiller Tag. Die Wohnung ist still. So still. Früher, denkt sie, früher war hier Leben. Lachen. Stimmen. Schritte im Flur. Jetzt nur noch die tickende Uhr.

Sie macht sich Kaffee, setzt sich an den Tisch, und weiß nicht recht, wofür. Und dann flüstert sie, eher in die Luft als in ein Gebet hinein: „Gott … wo bist du eigentlich? Hörst du mich noch?“

2.) Da ist Lina. Neun Jahre alt. Sie sitzt jeden Tag am Esstisch, aber sagt kaum ein Wort. Die Eltern streiten ständig. Erst laut, dann gar nicht mehr. Keine Versöhnung, nur Kälte. Zu Hause ist es wie eine Wüste. Keine Zärtlichkeit… Kein Blick, kein Lächeln. Die Lehrerin fragt: „Was ist los, Lina?“ „Nichts“, antwortet das Mädchen !

Aber in ihr: Dürre. Kein Wasser. Keine Freude. Kein Zuhause.

Und wir… wir stehen oft irgendwo zwischen Frau Schulz und Lina. Zu alt für Illusionen. Zu jung für Resignation.

Kennen Sie diesen Durst?

Wenn das Leben sich anfühlt wie Erde ohne Regen?

Jeremia klagt Gott an. Er wagt das. Er ist nicht fromm im Sinne von glatt, angepasst usw… Oh, nein. Jeremia ist de facto radikal ehrlich. Er hält Gott die Wüste hin und sagt: „Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling? Ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt?“

Das ist die „Urangst“ des Glaubens. Dass Gott nur ein Gast ist. Einer, der kurz vorbeischaut, wenn die Sonne scheint. Aber weiterzieht, wenn der Staub aufwirbelt.

Martin Luther nannte es den „Deus absconditus“, den verborgenen Gott. Gott, der sich entzieht. Gott, der schweigt. Gott, der nicht erklärt, warum er nicht hilft.

Und das ist keine „theologische Fingerübung“. Das ist Existenz. Das ist Nacht. Das ist conditio sine qua non für echten Glauben: Dass er nicht aus Sicherheiten lebt, sondern aus dem Rufen im Dunkel.

Denn manchmal ist Gott gerade dann gegenwärtig, wenn er schweigt. Nicht als Abwesenheit. Sondern als Tiefe. Nicht als Flucht. Sondern als Kreuz.

Jesus selbst kennt diese Dürre! Er hängt am Kreuz und ruft: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Wer das betet, ist nicht gottlos. Wer so ruft, hat Gott nicht verloren. Im Gegenteil: Er hält sich an ihm fest, und das mit letzter Kraft.

Der Philosoph Søren Kierkegaard sagte einmal: „Das Christentum ist keine Lehre, sondern eine Existenzmitteilung.“

Das heißt: Christsein ist nicht zuerst Wissen. Nicht zuerst Kontrolle. Sondern getragen werden. Erfahren. Durchlitten. Gelebt.

Gott ist kein Wanderer, der uns in der Wüste stehen lässt. Er ist der, der „selbst in die Wüste hineingeht“.

Er bleibt nicht am Rand. Er tritt hinein in unsere Trockenheit. Und er begegnet uns nicht immer im Sturm. Nicht immer im Wunder. Nicht immer im großen Licht.

Sondern anders als wir es erwarten würden!

In der Nachbarin, die bei Frau Schulz an die Tür klopft, nur um „Hallo“ zu sagen.

In der Lehrerin, die Linas Schweigen nicht übergeht, sondern aushält und ihr zeigt: „Ich sehe dich.

Gott kommt nicht immer als Antwort. Oft kommt er als Begleitung. Dietrich Bonhoeffer schrieb aus der Dunkelheit seiner Zelle: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. (…) Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern auf ihn allein verlassen.“

Nicht im Voraus. Nicht als Vorratslager. Sondern für heute. Wie Manna! Ja, genau wie Manna! Manna, das heißt an dieser Stelle: „ Ich bin das Brot des Lebens.“ ( Johannes 6, 35)

Genau so ist es: Gott gibt nicht immer die Erklärung, aber die Kraft…das Durchhalten…. Gott gibt nicht immer das Ziel an … aber den nächsten Schritt.

Und jetzt: Wo spüren Sie heute die Dürre?

Ist es Erschöpfung, dieses Müde das bis in die Knochen geht?

Ist es Einsamkeit, obwohl Menschen um Sie herum sind?

Ist es Schuld, die schwer auf der Seele liegt?

Ist es Angst, die sich nachts meldet?

Oder eine Trauer, die niemand wirklich versteht?

Dann müssen Sie Gott nichts vorspielen. Sagen Sie ihm nicht, was man in frommen Sätzen sagt. Sagen Sie ihm, was ist: „Herr,  ich bin rissig. Herr, ich bin trocken. Herr, ich finde kein Wasser. Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben““

Und deshalb:

Vielleicht ist es heute nicht an uns, die Dürre zu beenden. Vielleicht ist es heute nur an uns, nicht wegzulaufen. Nicht die Risse zu verdecken. Nicht die Leere zu übertönen. Sondern sie Gott hinzuhalten.

Denn Christus ist nicht der Herr der heilen Fassaden. Er ist der, der in die Wüste hinabsteigt. Der den Durst kennt. Der die Verlassenheit trägt. Und der doch bleibt. Er ist nah! Und er ist schon da:  „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11, 28)

Das ist das Evangelium: Nicht wir finden den Weg aus der Dürre. Er findet uns darin.

Gott trägt uns. „Du bist ja doch unter uns, Herr!“ : Das ist nicht nur ein schöner Gedanke. Oh, nein, das ist ein „Halteseil in der Nacht“.

Herr Jesus Christus, verlass uns nicht. Amen!

🇷🇴

Când sufletul însetează


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