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Die geöffnete Hand – eine kurze Meditation

Gib mir deine Hand. Nicht als Faust. Nicht als Griff, der alles kontrollieren will… Sondern offen. Leer. Empfänglich. Denn es gibt Dinge, die passen nicht in eine geschlossene Hand. Gnade passt nicht hinein. Liebe passt nicht hinein. Frieden passt nicht hinein. Gott passt nicht hinein.

Es war ein Vater, fünfzig Jahre alt, der beschloss, schwimmen zu lernen. Nicht für sich selbst. Er kam auch an Land gut zurecht, gut durchs Leben. Sondern weil sein siebenjähriger Sohn vom Wasser fasziniert war und unbedingt zum Schwimmkurs wollte. „Papa, kommst du mit mir?“, fragte der Junge. Und der Vater stieg ins Wasser … obwohl er Angst hatte, obwohl er sich unbeholfen und lächerlich fühlte zwischen all den Siebenjährigen. Denn so machen es wahre Eltern: Sie steigen hinab, dorthin, wo ihre Kinder sind…

So ist auch Gott!

Wir begegnen in unserem Leben zwei Arten zu sterben – und damit zwei Arten zu leben!

Ich saß einmal am Bett eines sterbenden alten Mannes. Er hatte hart gelebt. Seine Worte schnitten wie Messer, seine Hände waren sein Leben lang zu Fäusten geballt. Doch in den letzten Tagen geschah etwas. Er rief seine Kinder, eines nach dem anderen, und bat sie um Vergebung. Er sagte ihnen, dass er sie liebt: Worte, die er seit Jahrzehnten nicht mehr ausgesprochen hatte. Als ich ihn fragte, was geschehen war, antwortete er mit schwacher Stimme: „Ich war mein Leben lang gewalttätig. Aber Gott… Gott kommt. Und ich kann ihn nicht mit der geballten Faust empfangen… nur mit offener Hand.“

Dieser alte Mann ging mit offener Hand. Im letzten Moment fand er Gott.

Aber nicht alle gehen so. Da ist auch das dunkle Gegenbild! Man erzählt sich, dass Josef Stalin, der Mann, der mit eiserner Hand über Millionen herrschte, sich kurz vor seinem Tod plötzlich aus dem Sterbebett aufrichtete, das Gesicht von Furcht und Zorn durchfurcht, und die Faust gen Himmel hob. Er starb mit geballter Hand, als wollte er Gott bis zum letzten Atemzug trotzen.

Doch was kann man mit geballter Faust umfassen?

Nichts. Außer der eigenen Angst.

Ja, eine Faust gegen Gott… Und ich erschrecke, weil ich merke: Diese Faust ist nicht nur eine historische Faust. Sie wohnt auch in uns. Vielleicht nicht politisch. Aber innerlich.

Wenn wir sagen: „Ich bestimme selbst.“; „Ich brauche nichts.“; „Ich warte noch.“; „Später.“; „Nicht jetzt.“

Und doch bleibt wahr: Was kannst du in einer Faust halten? Nichts … außer Angst. Bitterkeit. Stolz.

Zorn….Das sind die einzigen Dinge, die in eine Faust passen.

Und genau darum mahnt die Schrift so nüchtern, so klar:

„Seid nüchtern und wacht! Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann.“ (1. Petrus 5,8)

Denn der Teufel verschlingt selten mit einem einzigen großen Schlag. Meistens frisst er sich still hinein: mit Misstrauen. Mit innerem Widerstand. Mit dem Gift: „Später.“ Mit dem Gedanken: „Ich brauch das nicht.“ Mit der Lüge: „Ich hab noch Zeit.“ Er liebt die Faust. Weil eine Faust nicht bitten kann. Und eine Faust nicht empfangen kann.

Ja, du kannst dich gegen Gott wenden. Du kannst ihn ablehnen, so leben, als gäbe es ihn nicht. Aber vergiss nicht: Es gibt ein Gericht. Und die Schrift lässt uns nicht mit diesem Gedanken spielen.

Im Hebräerbrief steht klar und deutlich:

„Jagt nach dem Frieden mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird! Und achtet darauf, daß nicht jemand die Gnade Gottes versäumt, daß nicht etwa eine bittere Wurzel aufwächst und Unheil anrichtet und viele durch diese befleckt werden, daß nicht jemand ein Unzüchtiger oder ein gottloser Mensch sei wie Esau, der um einer Speise willen sein Erstgeburtsrecht verkaufte. Denn ihr wißt, daß er nachher verworfen wurde, als er den Segen erben wollte, denn obgleich er ihn unter Tränen suchte, fand er keinen Raum zur Buße.“ (Hebräer 12, 14-17)

Die Gnade ist kein Spielzeug…. Die Gnade ist nichts, was du einfach an dir vorbeiziehen lassen kannst wie einen Windhauch… Du kannst sie verschwenden…. Du kannst sie verpassen. Du kannst sie verachten….

Und JA die Gnade ist umsonst. Aber sie ist nicht billig.

Esau war kein Mörder. Kein Diktator. Aber er war gleichgültig. Er verkaufte sein Erbe, etwas Ewiges für etwas Vergängliches. Und als ihm klar wurde, was er verloren hatte, war es zu spät. Er weinte… aber es gab keinen Weg zurück.

Wilhelm Busch erzählte einmal, wie ein junger Mann zu ihm sagte: „Herr Pfarrer, Sie sprechen so viel von Jesus Christus… Aber ich weiß noch nicht, ob ich ihm nachfolgen will.“ Seine Antwort war einfach, aber scharf wie ein Schwert: „Mein Sohn, du hast dich bereits entschieden.“

Schweigen ist auch eine Wahl. Aufschieben ist auch eine Ablehnung. Und die geballte Faust kann keinen Segen empfangen. Nur die offene Hand. Nur das erweichte Herz. Nur der Mensch, der sich hingibt.

Jesus sagt in Johannes 20,29: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Glaube heißt nicht sehen …..Glaube heißt vertrauen. Und dieses Vertrauen kann uns ins neue Jerusalem führen. Nicht jetzt. Nicht sofort. Aber gewiss.

Manche sagen: „Ich möchte etwas spüren. Ich möchte ihn sehen.“ Aber schauen wir uns doch einmal die Wirklichkeit des Alltags an: Wir arbeiten einen Monat lang, und das Gehalt kommt danach. Nicht sofort. Wir arbeiten ein Leben lang und dann, je nachdem wie und wie viel wir gelebt haben, bekommen wir eine Rente, ein Haus, ein Auto. Vielleicht.

Nichts wird uns auf einmal geschenkt. Alles muss aufgebaut werden.

Auch Wissen kommt nicht von heute auf morgen. Wie viele Jahre muss ein Organist wohl üben und lernen, bis er die Orgel wirklich mit Meisterschaft spielt? Da reicht nicht nur das, was Schule oder Unterricht vermitteln. Man gibt seine Seele hinein, verzichtet auf Freizeit, bleibt dran, lebt für die Musik. Und bei anderen Berufen ist es ganz genauso.

So ist es auch mit dem Glauben. Die Gnade wird uns angeboten. Umsonst. Der Glaube wird uns in die Hand gelegt, wie ein Samenkorn. Aber wir entscheiden, ob wir ihn gießen, ob wir ihn pflegen. Ob wir unsere Hand öffnen, oder geschlossen halten.

Und ja: Schon hier in dieser Welt beginnen wir, die Früchte zu spüren: inneren Frieden, Hoffnung, Sinn, Trost. Aber die Fülle kommt jenseits. Im neuen Haus. In der neuen Dimension. Dort, wo Er uns einen Platz bereitet hat.

Also frage dich: Mit welcher Hand gehst du durchs Leben? Mit geballter Faust, oder offener Handfläche? Denn nur die offene Hand kann empfangen. Amen.

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Mâna deschisă – o scurtă meditație


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